Li Lis Reisetagebuch


Übersicht & Einleitung

 

Li Lis Reisetagebuch ist eine Reihe an Kurzgeschichten, welche vor der Veröffentlichung der Erweiterung: Mists of Pandaria veröffentlicht wurden. Li Lis Reisetagebuch nimmt den Leser mit auf eine Erkundungstour quer durch Pandaria.

 

Welche Abenteuer, Gefahren und Wunder wird Li Li auf ihrer Reise begegnen? Findet es heraus, die Erkundung Pandarias beginnt hier!

 

Kapitel

 

Die rot markierten Kapitel befinden sich jeweils auf der aktuellen Seite. Alternativ steht das Reisetagebuch auch als PDF zur Verfügung.

 

  1. Einleitung
  2. Zurück zu den Grundlagen
  3. Das anbrechende Dilemma
  4. Wie man einen Ho-Zen fängt
  5. Der verbotene Wald
  6. Der Jadewald
  7. Das Tal der vier Winde
  8. Die Krasarangwildnis
  9. Kun-Lai-Gipfel
  10. Das Tal der Ewigen Blüten
  11. Die Tonlongsteppe
  12. Die Schreckensöde

 

Hier gibt es das Tagebuch als PDF-Datei: Hier klicken!


Einleitung

Das Leben ist ein Abenteuer.

 

Das hat mir mal Onkel Chen in einem Brief geschrieben. Ein weiser Ratschlag. Mein Papa Chon Po vertritt allerdings eine andere Meinung. Er sagt, dass ich zu viel von der Welt da draußen träume und die Schönheit und Wunder der Wandernden Insel nicht erkenne. Aber da liegt er vollkommen falsch – ich liebe meine Heimat.

 

Und darum geht es in diesem Tagebuch. Wenn ich je eine so große Entdeckerin wie mein Onkel Chen werden will, muss ich wie er über meine Abenteuer schreiben. Und warum sollte ich damit nicht zu Hause beginnen? Vielleicht wird mein Buch ja irgendwann einmal in der Großen Bibliothek neben Onkel Chens Berichten stehen. Oder vielleicht werden eines Tages Leute aus Sturmwind, Orgrimmar oder anderen entfernten Ländern meine Aufzeichnungen lesen, um etwas über mein Volk, unsere Kultur und das, was diesen Ort hier so großartig macht, zu erfahren!

 

Aber immer der Reihe nach. Fangen wir mit der Einleitung an. Geboren wurde ich auf der großen Schildkröte Shen-zin Su, auch bekannt als „Die Wandernde Insel“. Heutzutage sitzen viele Pandaren nur noch herum und erzählen immer die gleichen alten Geschichten. Doch das war einmal anders. Unseren Ahnen lag das Abenteuer im Blut. Für sie bot jeder Tag auf der Insel die Möglichkeit, neue Dinge zu entdecken und neue Geschichten zu verfassen!

 

Während ich dies schreibe, führt Onkel Chen diese Tradition irgendwo dort draußen in der weiten Welt fort. Doch er ist nicht allein. Der Weg des Wanderers hat auch mich gerufen, hier bei mir zu Hause. Nun wird es Zeit, diesem Ruf endlich zu folgen!

 

Mein Name ist Li Li Sturmbräu und dies ist die Wandernde Insel.


Zurück zu den Grundlagen

Ich habe mich entschlossen, mein Zuhause auf Grundlage des Weges des Wanderers zu erkunden, einer Philosophie, über die Onkel Chen in seinen Berichten schon viel geschrieben hat. Dabei geht man auf jeder Reise Schritt für Schritt vor, beobachtet alles um sich herum, spricht mit jedem, dem man begegnet, und nimmt alle Einzelheiten wahr.

 

Nach einigen Überlegungen begann ich meine Reise durch Shen-zin Su dort, wo ich zum ersten Mal von der Geschichte der Insel erfahren hatte: an der Morgenspanne. Diese riesige Steinbrücke erstreckt sich entlang der hohen Klippen in der Nähe der Inselmitte. Auf ihrem höchsten Punkt kann man den gesamten Pei-Wu-Wald im Süden überblicken. Dort oben ist es wirklich atemberaubend!

 

Aber es ging mir nicht um die Aussicht. Ich begab mich in ein kleines Klassenzimmer unterhalb der Brücke. Dort erfahren die meisten Kinder etwas über Liu Lang, den ersten Pandarenentdecker, der mir schon aus einem Brief von Onkel Chen bekannt war. Das gemütliche Freilichtzimmer war voller eifriger Kinder, denen Lehrensucher die Geschichte von Liu Lang erzählten. Ich nahm Platz, schloss die Augen und versuchte mir vorzustellen, dass ich die Geschichte zum ersten Mal hörte.

 

Die Erzählung über Liu Lang gab mir das Gefühl, dass alles möglich wäre! Davon inspiriert ging ich über die Steinbrücke zum Tempel der Fünf Sonnenaufgänge, einem strahlenden Turm in der Mitte der Insel. In das Gebäude zu gehen ist, als beträte man eine andere Welt. Regen tropfte von der Decke, eine sanfte Brise wehte durch meine Kleidung, und obwohl es draußen kühl war, kam die Temperatur im Innern einem Sommertag gleich.

 

Die Lehrensucher behaupten, dass der Tempel gemeinsam mit Shen-zin Su gewachsen sei, als wäre das Gebäude selbst ein Teil der Großen Schildkröte. Dies ist ein heiliger Ort, und zwar aus gutem Grund. Der Tempel beheimatet die vier alten Geister des Landes: Shu (Wasser), Wugou (Erde), Huo (Feuer) und Dafeng (Luft). Solang es ihnen gut geht, bleibt das Wetter gemäßigt und die Jahreszeiten nehmen ihren gewohnten Gang.

 

Der Tempel ist voller weiser Sprichwörter und seltener Gegenstände. Am meisten interessierte mich jedoch Liu Langs Statue im ersten Stock. Während ich ihn betrachtete, dachte ich über all die großen Dinge nach, die er vollbracht hatte. Für seine Taten brauchte man wirklich Mut! Selbst zu Hause war er bestimmt stets von Abenteuern umgeben.

 

Als ich wieder ging, traf ich Meister Shang Xi. Er ist eine ziemlich wichtige Person – ein edler und tapferer Pandaren, der Jung und Alt gleichermaßen als Berater dient. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon Ärger mit Shang hatte. Aber trotzdem war er immer nachsichtig gewesen – außer an dem Tag, als ich ihm seinen Tee mit Stinktierwasser aus den Singenden Teichen gekocht hatte. Auf jeden Fall war er guter Dinge und so stellte ich ihm einige Fragen, die mir schon länger unter den Krallen gebrannt hatten: Was würde Liu Lang tun, wenn er noch am Leben wäre? Wo würde er Abenteuer auf der Insel finden?

 

„Warum fragst du ihn nicht einfach?“, antwortete Meister Xi und zeigt auf die Statue. Daran hatte ich nicht gedacht! Aber einen Versuch war es wert. Nicht, dass ich wirklich eine Antwort erwartet hätte. Doch ich bekam sie!

 

Der Geist Shu hatte wahrscheinlich zugehört. Der kleine Kerl hüpfte auf Liu Langs Schulter und warf etwas Wasser auf den Boden. Nach einem kurzen Augenblick bewegte sich die Pfütze. Sie kroch wie ein Lebewesen zum Eingang des Tempels und sprang draußen die lange Treppe des Anbrechenden Morgens hinunter.

 

Ich folgte ihr, so schnell ich konnte, bis ich das nördlich vom Tempel gelegene weite Tal erreichte. Ich fragte das Wasser nicht, wohin es ging, denn das hätte die Überraschung zunichtegemacht. Genau wie Chen machte ich mich Schritt für Schritt auf die Reise!


Das anbrechende Dilemma

Meine Reise über die Wandernde Insel führte mich ins Tal des Anbrechenden Morgens!

 

Ich verfolgte die von Shu erschaffene Pfütze über die grasbewachsenen Hügel und durch die Dickichte der Gegend. Sie war mir stets einen Schritt voraus, was mich jedoch nicht im Geringsten störte. Zu dieser Jahreszeit war das Tal voller faszinierender Pflanzen und Tiere wie zum Beispiel Honigblattstrolchen. Diese raffinierten Waldgeister treiben gerne Schabernack und sorgen für allerlei Unruhe. Ich habe sie schon immer gemocht. Doch am besten an diesem Teil der Insel gefallen mir die hellroten Puzhubäume. Sie haben etwas Magisches an sich. Selbst nach dem Pflücken behalten ihre Blätter noch monatelang ihre Farbe.

 

Die Lehrensucher berichten, dass Liu Lang vor vielen Jahren verschiedene Schösslinge und Samen auf der ganzen Insel pflanzte. Gibt es deshalb auch in Pandaria dieselben Arten von Pflanzen und Blumen? Vielleicht benutzen dann auch dort die Leute Puzhublätter als Medizin und Dekoration wie wir.

 

Jedenfalls verlor ich Shus Wasser nördlich vom Tal des Anbrechenden Morgens irgendwo in Wu-Song aus den Augen. Und was noch schlimmer war: Niemand in der Siedlung hatte es gesehen! Wie ist es möglich, dass einem eine Wasserpfütze entgeht, die durch die Straßen tanzt? Aber man konnte den Dorfbewohnern wohl keine Schuld geben. Sie schienen vollends mit ihrer Arbeit und dem Kampftraining beschäftigt zu sein. Viele der besten Mönche der Insel werden ihn Wu-Song geboren und großgezogen, unter anderem aufgrund der Nähe des Dorfs zum Shang-Xi-Ausbildungsgelände, das direkt östlich auf einem großen Hügel gelegen ist.

 

Den ganzen Tag über hallen die Geräusche von gegen Trainingspuppen schlagenden Fäusten und Waffen durch das darunterliegende Tal. Als ich mich zum Gelände begab, traf ich auf zwei der weisesten Pandaren überhaupt: Aysa Wolkensänger, eine Meisterin der Tushui-Schule, und Ji Feuerpfote, einen Huojin-Meister.

 

Beide dieser Philosophien sind ziemlich beliebt, haben jedoch jeweils einen ganz eigenen Charakter. Tushui lehrt einen zuallererst, das Richtige zu verteidigen. Es gibt nur einen wahren Weg im Leben, dem man stets folgen muss. Bei Huojin dagegen dreht sich alles um Leidenschaft und unmittelbares Handeln. Bei dieser Schule wird davon ausgegangen, dass man flexibel beim Erreichen seiner Ziele sein kann, wenn man das Allgemeinwohl zum Ziel hat.

 

Als Anhängerin des Wegs des Wanderers konnte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Aysa und Ji mit Fragen zu löchern. Also wollte ich von ihnen wissen, was ich tun sollte, um die Wasserpfütze zu finden.

 

„Setz dich hin, beobachte und warte, junge Pandaren“, sagte Aysa. „Shu ist ein uraltes Wesen und wird dir nicht immer antworten. Wenn sein Wasser dich finden will, wird es geschehen. Alles zu seiner Zeit.“

 

Ji hatte da einen etwas anderen Ansatz. „Du wirst das Wasser nur finden, wenn du gründlich vorgehst, kleine Sturmbräu. Suche jeden Baum und jedes Flussufer ab. Lasse nichts aus!“

 

Schließlich versuchte ich es auf beide Weisen. Zuerst setzte ich mich an Fus Teich, einen ruhigen Ort südlich vom Ausbildungsgelände. Ich meditierte mehrere Stunden, aber von Shus Wasserpfütze war nichts zu sehen. Dann folgte ich Jis Ratschlag und durchsuchte jeden Busch, den ich finden konnte. Aber dann erkannte ich schließlich, dass das alles nichts bringen würde. Meine Mission bestand im Entdecken. Falls Shu mich aus einem bestimmten Grund dorthin geführt hatte, sollte mir das vielleicht den ersten Schritt meiner Reise erleichtern.

 

Nachdem ich mich zurück auf den Weg zum Tempel der Fünf Sonnenaufgänge gemacht hatte, traf ich den Karrenfahrer Lun, der mit seinem großen Yak unterwegs war. Er hatte gerade einige Vorräte zum Tempel gebracht und machte sich nun bereit für die Rückkehr zum Dai-Lo-Bauernhof. Warum sollte ich also nicht einfach diesen Teil der Insel als Nächstes besuchen? Ich überredete Lun, mich auf seinem Karren mitzunehmen.

 

Allerdings schien er schlechte Laune zu haben. Er blickte so säuerlich drein, als hätte er in ein süßes Anko-Daifuku gebissen, das jemand mit ranzigem Yakkäse gefüllt hatte – was mir übrigens auch schon mal passiert ist. Nach einigen Fragen kam es dann schließlich heraus: Ho-zen-Diebe hatten seine Nahrungsvorräte geplündert!

 

Natürlich tat Lun mir leid, aber um ehrlich zu sein, war ich auch ziemlich begeistert. Dai-Lo zu erkunden war eine Sache, aber gleichzeitig auch den Diebstahl der Ho-zen zu untersuchen, war für mich wie ein Traum, der in Erfüllung ging.

 

Der nächste Abschnitt meiner Reise entwickelte sich immer mehr zu einem richtigen Abenteuer!


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