Li Lis Reisetagebuch 2


Kapitelübersicht

 

Die rot markierten Kapitel befinden sich jeweils auf der aktuellen Seite. Alternativ steht das Reisetagebuch auch als PDF zur Verfügung.

  1. Einleitung
  2. Zurück zu den Grundlagen
  3. Das anbrechende Dilemma
  4. Wie man einen Ho-Zen fängt
  5. Der verbotene Wald
  6. Der Jadewald
  7. Das Tal der vier Winde
  8. Die Krasarangwildnis
  9. Kun-Lai-Gipfel
  10. Das Tal der Ewigen Blüten
  11. Die Tonlongsteppe
  12. Die Schreckensöde

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Wie man einen Ho-Zen fängt

Nach meinen Erlebnissen im Tal des Anbrechenden Morgens ging es nun zum Dai-Lo-Bauernhof!

 

Dieser wunderschöne Ort ist die Kornkammer der Wandernden Insel und wie ich in der Großen Bibliothek erfahren habe, gehört der Boden in dieser Region zu den fruchtbarsten der Welt. Dai-Lo selbst ist eine kleine Bauerngemeinde in der Nähe der „Ränge“ – langer, gewundener Abschnitte aus bestelltem Land voller Kürbisse, Möhren und anderen leckeren Dingen.

 

Das reichhaltige Angebot frei zugänglicher reifer Nahrungsmittel macht das Gebiet zu einem bevorzugten Ziel für lästige Plagegeister wie die Shed-Ling. Diese pelzigen Biester fressen alles, was sie in ihre schmutzigen kleinen Hände bekommen, aber besonders gern mögen sie Gemüse.

 

Doch die Shed-Ling stellen nur eines der Probleme auf dem Bauernhof dar. Auf dem Weg nach Dai-Lo erzählte mir der Karrenfahrer Lun, dass eine Gruppe Ho-zen-Diebe sich in das Dorf geschlichen und einige Säcke Reis sowie verschiedenes Gemüse gestohlen hatten. Normalerweise halten sich diese hartnäckigen Affen in Fe-Feng im nordwestlichen Teil der Insel auf, machen manchmal aber auch hier Ärger.

 

Eines muss ich jedoch klarstellen: Ich mag Ho-zen. Sie haben ihre eigene, faszinierende Kultur und spezielle Bräuche. Ho-zen sind auf eine sympathische Art ziemlich verrückt. Aber gelegentlich übertreiben sie es einfach.

 

Ich war geschockt, als ich erfuhr, dass niemand versuchte, die Diebe zu finden. Da schon die Shed-Ling überall herumschlichen, erschien es den Bauern aus Dai-Lo wohl nicht so schlimm, ab und zu ein paar Nahrungsmittel zu verlieren. Ich sah es aber anders: Falls die Bauern es zuließen, dass die Ho-zen ihre Ernte stehlen, würden es diese pelzigen Rabauken immer wieder tun. Sie vergriffen sich an unserem Essen und ich wollte nicht die Hände in den Schoß legen und sie ungeschoren davonkommen lassen!

 

Lun sagte, dass die Ho-zen zuletzt in den nördlich von den Rängen gelegenen Wäldern auf ihrem Weg zu einem Gebiet namens „Die Singenden Teiche“ gesichtet worden waren. Schon bald hatte ich eine Spur aus angenagten Möhren und weggeworfenen Brokkoli-Röschen gefunden. Anscheinend mögen selbst Ho-zen keinen Brokkoli ... Ich folgte der Spur bis in die abgelegenen Smaragdwälder, in denen sich die Teiche befinden.

 

Zu den Singenden Teichen bin ich schon immer gerne gegangen. Dieser Ort ist ruhig und voller Magie. Ich habe dort viel Zeit verbracht und auf Pfählen balanciert, die hoch aus dem Wasser ragen. Dieses Training ist ganz schön spannend, da man nicht einfach nur nass wird, wenn man hineinfällt. Das Wasser hat noch eine ganz andere Eigenschaft.

 

Im Laufe der Jahre sind alle möglichen Arten von Tieren in den Teichen gestorben und ihre Geister haben sich mit dem verzauberten Wasser verbunden. Wenn man nass wird, dann ... BUMM! Als Nächstes ist man ein hüpfender Frosch oder watschelt als Schildkröte durch den Schlamm. Es gibt sogar einen Teich mit Stinktiergeistern. Wenn der Fluch vorbei ist, riecht man noch tagelang äußerst unangenehm!

 

Gründlich suchte ich alles ab und beobachtete Kinder, die unter Anleitung eines Pandaren namens Bo der Starke von Pfahl zu Pfahl hüpften. Das ist ein kräftiger und ernster Geselle, der auch mich schon seit Jahren unterrichtet. Er hat ein gutes Herz, allerdings kann man mit ihm so viel Spaß haben wie mit einem Eimer voller alter Fischköder. Bei Bo dem Starken heißt es immer: „Mach das nicht!“ – wie bei meinem Papa. Die beiden sind das genaue Gegenteil von Onkel Chen.

 

Bo der Starke entdeckte mich, als ich an den Teichen entlangging, und warf mir einen bösen Blick zu. Er dachte wahrscheinlich, ich führte nichts Gutes im Schilde. Und da hatte er natürlich recht ... Zum Glück war er zu sehr mit dem Training beschäftigt, als dass er mir Ärger bereiten konnte.

 

Schließlich fand ich die Ho-zen-Diebe – und zwar genau fünf von ihnen. Sie lungerten am Stinktierteich herum und stießen sich gegenseitig ins Wasser. Immer, wenn einer hineinfiel und sich kurz verwandelte, hüpften die anderen ganz aufgeregt herum, wobei sie prusteten und brüllten, als würde es in der Brauerei Ki-Han etwas umsonst geben.

 

Auf einem nahegelegenen Hügel entdeckte ich hinter einem Baum die Überreste der Reissäcke und des Gemüses. Die Ho-zen waren so in ihr Spiel vertieft, dass sie gar nicht bemerkten, wie ich mich leise an das Versteck heranschlich, um mir die Waren anzusehen. Ich kam näher und näher, bis die Nahrungsmittel nur noch eine Armlänge entfernt waren, und dann ... kamen plötzlich zwei flaumige Ho-zen-Babys hinter den Säcken hervor!

 

Ich hätte nicht gedacht, dass hier eine ganze Familie auf Diebestour gegangen war. Da sie mit der Beute anscheinend ihre Jungen gefüttert hatten, konnte ich es nicht übers Herz bringen, sie ihnen wegzunehmen. Aber ein bisschen Rache war durchaus noch drin. Also warf ich einen der gestohlenen Kürbisse nach den Ho-zen beim Teich und rannte in den Wald. Dem lauten Platschen nach zu urteilen hatte ich zumindest ein paar von ihnen erwischt. Allerdings dürften sie nach der Verwandlung in Stinktiere besser gerochen haben als vorher ...

 

Tja, nun war wohl die Zeit gekommen, mich endlich meinen Ängsten zu stellen. Ich besorgte mir Vorräte aus Dai-Lo und machte mich auf den Weg in den Pei-Wu-Wald, den gefährlichsten und verbotensten Ort auf der gesamten Wandernden Insel!


Der verbotene Wald

Vollgepackt mit Vorräten vom Dai-Lo-Bauernhof bereitete ich mich auf meine Reise zum tödlichsten Ort auf der Wandernden Insel vor, dem Pei-Wu-Wald!

 

Der Wald ist gefährlich und der Zutritt daher fast allen Pandaren untersagt. Ich wusste, dass es nicht einfach sein würde, mich hineinzuschleichen. Der dichte Bambuswald ist von Hügeln und steilen Bergen umrandet und der einzige Zugang wird von zwei riesigen Toren versperrt. Diese unnachgiebigen Tore liegen vor Mandori, wo ich mein ganzes Leben verbracht habe. Das mag zwar praktisch klingen, bedeutet aber auch, dass in der Nähe der Tore immer Pandaren anzutreffen sind. Es ist also sehr schwierig, dieses Hindernis unbemerkt zu überwinden.

 

Was alles noch schlimmer machte, war, dass ich Bo den Starken sah, als ich nach einem stillen Fleckchen suchte, von dem aus ich das erste Tor genauer untersuchen konnte. Warum nur musste er unbedingt heute im Dorf herumschnüffeln? Er fragte mich, was ich vorher bei den Singenden Teichen gemacht hätte. „Ich habe die Schönheit und Pracht unserer Heimat genossen“, antwortete ich ihm – und das war nicht gelogen!

 

Trotzdem kniff Bo der Starke einfach nur die Augen zusammen und blickte mürrisch drein, wie immer. (Ich frage mich, ob er weiß, wie sehr er einer runzeligen Mooshautkröte ähnelt, wenn er das macht.) Da Bo unbedingt mit seiner fetten Schnauze herumschnüffeln musste, ging ich nach Hause, um mich etwas auszuruhen und abzuwarten, bis die Luft wieder rein war. Noch vor Sonnenaufgang verließ ich die stillen, verlassenen Straßen und kletterte mit einem Seil aus Yakhaar, das ich vom Dai-Lo-Bauernhof mitgebracht hatte, über die zwei großen Tore.

 

Schon bald erhob sich die Sonne über den Horizont, das dicke Kronendach des Pei-Wu-Waldes blockierte jedoch fast das ganze Licht. Nebelschwaden lagen dicht über dem Waldboden und erschwerten mir zusätzlich die Sicht. Um mich herum konnte ich aber Geräusche hören ... Unmengen von Geräuschen. Die Region ist für ihre reichhaltige Tierwelt wohlbekannt, doch es gibt nur eine Kreatur, die das Herz aller Pandaren mit Furcht erfüllt: der wilde Pei-Wu-Tiger.

 

Und einer von ihnen hatte es auf mich abgesehen. Wohin ich auch ging, aus einiger Entfernung folgte mir das Geräusch schwerer Pfotenschritte. Wenn ich anhielt, hielt auch mein Verfolger an. Wenn ich mich bewegte, bewegte auch er sich. Dann, ganz plötzlich, stürzte die Bestie schnaubend und knurrend auf mich zu. Ich nahm die Haltung des starken Ochsen an, um mich zu verteidigen, als die riesige Gestalt plötzlich aus dem Nebel hervortrat – es war Bo der Starke!

 

Warum konnte er sich nicht einfach um seine eigenen Angelegenheiten kümmern? Ohne ein Wort brachte Bo mich zurück nach Hause. Dann weckte er Papa auf und erzählte ihm, dass ich mich in den verbotenen Wald geschlichen hatte. Papa stauchte mich eine gute Stunde lang zusammen, bevor er sich wieder beruhigte. Zur Strafe, so entschied er, sollte ich eine ganze Woche lang das komplette Übungsprogramm bei den Singenden Teichen über mich ergehen lassen ... unter Bos strenger Aufsicht.

 

Ich versuchte, Papa zu erklären, worum es mir ging ... dass ich mich der Erkundung der Großen Schildkröte gewidmet hatte und darüber schrieb, wie wundervoll die ganze Reise war. Ich hatte geglaubt, es würde ihn glücklich machen, doch er schien sich weder darum zu kümmern noch mich zu verstehen.

 

Papa sagte, dass meine Bestrafung am nächsten Tag beginnen würde, was bedeutete, dass ich noch einen weiteren Ort besuchen konnte. Ich kochte noch immer vor Wut wegen allem, was geschehen war, machte mich aber dennoch auf den Weg nach Westen. Schließlich gelangte ich zu einem langen, gewundenen Pfad, der zum Stabwald führte – der letzten Ruhestätte der Pandarenältesten der Wandernden Insel. Ein riesiger Steinlöwe, der Wächter der Ältesten, hütet den Eingang. Das mächtige Wesen gewährt nur jenen Zugang, die es im direkten Kampf bezwingen können. (Ich gehörte mit zu den jüngsten Pandaren, denen dies jemals gelungen war.)

 

Vor vielen Jahren, bevor er die Große Schildkröte verließ, hatte Onkel Chen mir erzählt, dass er diesen Teil der Insel oft auf der Suche nach Inspiration besuchte. Damals verstand ich ihn nicht, aber heute tue ich es. Dieser Ort ist von Magie erfüllt. Wenn jemand hier zur Ruhe gebettet wird, pflanzt man den Gehstab des oder der Verstorbenen in den Waldboden und der Stab wächst schließlich zu einem wundersamen Baum heran. So ist hier nach vielen Generationen ein ganzer Wald entstanden, der die gesamte Geschichte der größten Pandaren der Insel verkörpert.

 

Selbst meine Familie hat hier ein Grab, doch darüber möchte ich lieber nicht schreiben. Ich habe es dieses Mal nicht besucht. Nach dem Streit mit Papa konnte ich nicht noch mehr Kummer ertragen.

 

Als ich durch eines der ältesten Dickichte des Waldes spazierte, begegnete ich dem Ältesten Shaopai, der am Schrein seiner Familie gerade ein paar Räucherstäbchen anzündete. Shaopai ist ein unglaublich weiser Pandaren aus dem nahe gelegenen Morgenhauch. Der Älteste hat sein ganzes Leben dem Aufzeichnen weiser Worte gewidmet, zum Wohle zukünftiger Generationen.

 

Shaopai begleitete mich einen Teil des Weges, deutete dabei auf verschiedene Bäume und erklärte mir, an wen sie uns erinnern sollen. Bevor er den Rückweg in sein Dorf antrat, sagte er noch zu mir: „Ich spüre, dass dich etwas belastet, kleine Sturmbräu. Es steht mir nicht zu, dir Fragen zu persönlichen Dingen zu stellen, aber nimm bitte dies.“ Der Älteste gab mir einen glatten, runden Gegenstand, der kaum größer als meine Pfote war – es war ein Kummerstein. „Wenn dir das Leben schwer auf den Schultern lastet, kann der Kummerstein deine Last mindern. Seine Magie ist sehr stark."

 

Ich hatte die Kummersteine immer für nutzlosen Schnickschnack gehalten, doch wenn ein Weiser wie Shaopai an ihre Kraft glaubt, dann glaube auch ich daran.

 

Als ich schließlich den Wald verließ, überkam mich ein merkwürdiges Gefühl, das ich seither nicht abschütteln konnte. Ich war dankbar für Shaopais Geschenk und auch dafür, dass ich so viele wundervolle Orte auf dieser Insel bereisen konnte, aber ich wollte mehr. Die Wandernde Insel ist ein wunderschönes und zauberhaftes Land voller Geschichten und Wunder. Doch sie ist auch mein Zuhause. Ich habe hier alles gesehen. Aber da draußen, dort wartet eine ganze Welt darauf, entdeckt zu werden. Und ich mache mir Sorgen, weil ich fürchte, dass ich sie niemals sehen werde.

 

Den Rest des Tages verbrachte ich in der Großen Bibliothek und las erneut Onkel Chens Briefe durch. Er fehlt mir. Papa sagt, dass mein Onkel wahrscheinlich bei einem seiner „verrückten“ Abenteuer ums Leben gekommen ist, aber das glaube ich nicht. Ich weiß, dass er noch irgendwo da draußen ist, und ich weiß, dass er eines Tages zurückkehren wird.

 

Und bis dahin kann ich nichts weiter tun, als den Weg des Wanderers hier auf der Großen Schildkröte am Leben zu erhalten. Onkel Chen wäre stolz darauf ... Meine Ahnen wären stolz darauf. Denn genau für dieses Leben waren wir immer bestimmt! Liu Lang sagte einst selbst: „Jeder Horizont ist wie eine Schatztruhe, jede leere Karte eine Geschichte, die erzählt werden will.“

 

Wenn Papa das doch nur auch verstehen könnte. Aber es spielt keine Rolle, was er sagt. Eines Tages werde ich mir in dieser Welt einen Namen machen.

 

Und wenn es so weit ist, wird Onkel Chen an meiner Seite sein.


Der Jadewald

Seit meinem letzten Eintrag in diesem Tagebuch ist viel geschehen. Erst einmal ist Onkel Chen (dank der Hilfe meiner Wenigkeit) endlich nach Hause auf die Wandernde Insel zurückgekehrt. Kurz darauf brachen wir zu den weit entfernten Winkeln der Welt auf, um nach dem legendären Kontinent Pandaria zu suchen. Die meisten Bewohner der Großen Schildkröte glaubten, dass dieser Ort schon lange zuvor durch Kriege und Krankheiten zerstört worden war.

 

Nun, da lagen sie falsch.

 

Nachdem wir gegen Piraten gekämpft, einen wilden Sturm auf See überlebt und alle Arten von Gefahren überstanden hatten, gelang Onkel Chen und mir das Unmögliche: Wir fanden Pandaria, das Heimatland unserer Ahnen!

 

Doch die Reise dorthin verlief nicht ganz nach Plan. Geführt hat uns die Perle von Pandaria, ein mystisches Artefakt, die mir in Visionen zeigte, wie ich den Kontinent finden konnte. Es wäre allerdings schön gewesen, wenn uns diese dumme Perle vor der Gefährlichkeit der Reise gewarnt hätte.

 

Aber wichtig ist, dass wir Pandaria in einem Stück erreichten. Wir gingen in der Nähe des Jadewalds an Land, einer sich an der Ostküste des Kontinents erstreckenden Region. So weit das Auge reichte, waren grüne Wälder und Bambusdickichte voller seltsamer Pflanzen und Tiere zu sehen.

 

Onkel Chen und ich hatten zwar keine Karte, aber das war kein Problem. Nachdem wir uns die nähere Umgebung angesehen hatten, schlugen wir eine zufällige Richtung ein und begannen unsere Reise, wie es sich für wahre Anhänger des Weges des Wanderers gehört: Schritt für Schritt.

 

Schon bald tauchten die Bewohner auf und grüßten uns. Dutzende Echsenwesen mit Knopfaugen (die Saurok, wie ich später erfuhr) stürzten aus dem Wald hervor. Ihr Geruch ähnelte altem Leder, das man in verdorbenem Bier eingelegt und dann in ein Fass von Großmutter Meis fermentierter Fischpaste gesteckt hat. Und das war auch schon das Beste an ihnen.

 

Wir (oder eigentlich hauptsächlich Onkel Chen) machten kurzen Prozess mit den Ledergesichtern. Einige Problemchen hatten wir nur mit dem Anführer, einem riesigen Saurok voller Narben, Kriegsbemalungen – und noch mehr Narben. Aber schon bald zog er sich schreiend wie ein Kleinkind in den Wald zurück.

 

Das schmuddelige Lager der Saurok fanden wir in der Nähe. Es war voller Beute: Wagen mit Getreide und Gemüse und große Brocken reiner Jade. Während wir uns die Sachen ansahen, kam eine Gruppe Pandaren langsam aus dem Wald hervor. Als sie feststellten, dass die Saurok fort waren, verbeugten sie sich und überschütteten uns mit Lob, als wären wir Helden gewesen! Wie sich herausstellte, hatten die Ledergesichter das Gebiet terrorisiert, und alle Versuche, sie zu besiegen, waren fehlgeschlagen.

 

Unsere neuen Bewunderer waren vollkommen baff, als Onkel Chen ihnen erzählte, dass wir von der Wandernden Insel stammen. Die Leute in Pandaria hatten die Große Schildkröte seit Jahrhunderten nicht gesehen und die meisten von ihnen dachten, dass es die Insel nicht mehr gäbe. Ich war überrascht, wie sehr die Pandaren im Jadewald denen bei uns zu Hause ähnelten. Außer einigen kleinen Unterschieden wie der Kleidung gab es nicht viel, was sich über die Generationen hinweg geändert hatte.

 

Als sie erfuhren, dass wir ganz normale Entdecker waren, erzählten sie uns eine Menge über den Jadewald, seine Bewohner und seinen wichtigsten Ort: den Tempel der Jadeschlange. Dieser unglaubliche Tempel war nicht nur ein Monument für den legendären Pandarenkaiser Shaohao, sondern auch eng verbunden mit der Jadeschlange Yu'lon, einem der vier himmlischen Wesen, die über Pandaria wachten.

 

Als Onkel Chen und ich das Tempelgelände erreichten, meißelten Arbeiter gerade eine riesige Jadestatue namens „Schlangenherz“. Alle hundert Jahre überträgt Yu'lon ihre Lebensessenz in die Skulptur, die sich daraufhin in ein neues Wesen verwandelt. Dieser Kreislauf – das Erbauen von Statuen, um Yu'lon ihre Wiedergeburt zu ermöglichen – hatte seit Generationen bestanden, war jedoch von den Saurokräubern in Gefahr gebracht worden, die den Vorrat der Arbeiter an kostbarer Jade gestohlen hatten.

 

Einer der Tempelverwalter, Ältestenweiser Ren-Zhu, war so nett, Onkel Chen und mich ein wenig herumzuführen. Nach Norden ging es zum Arboretum, einem wundervollen Ort, an dem der Orden der Wolkenschlange beheimatet war. Diese furchtlose Gruppe hatte sich schon lange mit dem Zähmen, der Aufzucht und dem Reiten der Wolkenschlangen befasst, den majestätischen fliegenden Tieren, die ich am Himmel über dem Tempel gesehen hatte.

 

Der alte Ren-Zhu sagte, dass er uns zum Dank für den Sieg über die Saurok und die zurückgebrachte Jade jeden Wunsch erfüllen würde. Mein erster Impuls war, ihn um eine eigene Schlange zu bitten (die Jungen waren wirklich süß!), aber für Onkel Chen ging das ein bisschen zu weit. Also entschied ich mich für das Nächstbeste: einen Ritt auf einer Wolkenschlange!

 

Ich war zwar schon zu Hause mit einem der riesigen Kraniche und sogar im Zeppelin eines Goblins geflogen, aber diese Wolkenschlange war schon eine Klasse für sich. Sie schoss schneller in die Luft als alles andere, was ich je zuvor gesehen hatte. Aus dieser Höhe konnte ich gut erkennen, was hinter dem Jadewald lag. Im Westen gab es sanft ansteigende Ebenen und Ackerland. Im Nordwesten lag eine unglaublich hohe Bergkette mit schneebedeckten Gipfeln. Pandaria war riesig. Es gab dort so viel zu entdecken. Ich erkundete einen gesamten Kontinent, den seit Generationen kein Pandaren der Wandernden Insel mit eigenen Augen erblickt hatte!

 

Bevor mein Onkel und ich aufbrachen, um den Rest des Waldes zu erkunden, gaben wir Ren-Zhu die Perle von Pandaria. Er hatte uns wie einen Teil seiner Familie behandelt und als wir sahen, wie sehr die Pandaren den Tempel als Zentrum der Weisheit und Einsicht verehrten, war für uns klar, dass sie die Perle bekommen sollten. Sie herauszugeben, war nicht einfach, aber sie hatte mir bereits den Weg nach Pandaria gewiesen. Nun war für sie die Zeit gekommen, jemand anderen zu seiner Bestimmung zu führen.

 

In den darauffolgenden Wochen hatten Onkel Chen und ich vor allem eine Beschäftigung: Wir wanderten! Der Jadewald schien sich unendlich zu erstrecken und an jeder Ecke gab es etwas Neues und Spannendes: abgelegene Pandarenschreine, mit Ranken bedeckte antike Ruinen und Mönchskloster hoch in den Bergen. Das einzige Problem bestand darin, dass mein Onkel im Schneckentempo ging und sich alle paar Minuten hinsetzte, „um die Landschaft zu genießen“, wie er es ausdrückte.

 

Schließlich erreichten wir den Rand des Jadewalds. Vor uns lag das Tal der Vier Winde mit seinem Ackerland, das ich von der Wolkenschlange aus gesehen hatte. Ich war ganz wild darauf, etwas anderes als einen Wald zu erkunden, hätte aber nie erwartet, was Onkel Chen und mir auf dem nächsten Abschnitt unserer Reise begegnen sollte.

 

Schon bald darauf machten wir eine Entdeckung, die unser Wissen über die Familie Sturmbräu in den Grundfesten erschütterte!


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