Der Herr der Mark - Teil III: Der Vorbote des künftigen Schattens I


"Gerichtet an Lord Roderick, Markgraf von Hohenwacht

 

Mein schöner und großzügiger Lord. Sehr gerne habe ich die Festlichkeiten auf Hohenwacht genossen, und es war mir ein Graus, euch so rasch wieder verlassen zu müssen. Eure Frau kann sich wahrlich glücklich schätzen, einen Mann wie euch gewonnen zu haben und ich komme nicht umhin einen gewissen Neid mein Eigen zu nennen.

 

Dieser Brief soll euch jedoch nicht nur schmeicheln. Ich bin zutiefst beunruhigt nach meiner Rückkehr in die Heimat und es gibt gewisse Bestrebungen die es notwendig machen, dass wir zusammen arbeiten. Ich möchte euch daher bitten am 3. Tag dieses Monats auf dem Hofe des Freisassen Rory McFarlum zu erscheinen, gelegen im Grenzgebiet zwischen Alterac und eurer Mark.

Ich kann euch nur inständig bitten zu kommen, mein Lord. Die Sicherheit unserer beiden Häuser hängt davon ab.

 

- I."

 

Als Lord Roderick diesen Brief seinem Bruder Brendan vorgelesen hatte, war dieser nachdenklich geworden und in seinen Stuhl zurückgesunken. Sein Finger kreiste gerade über den Rand des Weinpokals, und immer wieder gab er ein "Hmm" von sich. Schließlich erhob er sich und musterte seinen Bruder, und seine Mimik wurde entschlossen.

 

"Roderick, ich traue dieser Lady Isella nicht. Sie wirkt... nicht richtig. Aber die Sache klingt äußerst ernst, und wenn du dorthin möchtest, dann werde ich dich begleiten." Der Tonfall Brendans ließ keinen Widerspruch zu, und innerlich seufzte Roderick. "Ich weiß das zu schätzen, Brendan. Aber denke an Cathleen." Es war ein übliches Spiel. Er würde nun einige Zeit so tun, als wäre er dagegen, dass Brendan ihn begleitete, während Brendan so tat, als müsse er seinen Bruder überzeugen ihn mitzunehmen.

 

"Erst, wenn du anfängst an Seditha zu denken." Brendan legte ein triumphierendes Grinsen auf. So schnell hatte er Roderick selten ausmanövriert. Und er hatte Recht. Er konnte den Jüngeren kaum belehren, wenn er es selbst nicht besser machte.

"Morgen Abend, Brendan. Mit gesattelten Pferden, Proviant und gerüstet. Und nur wir beide. Niemand in der Mark darf von dieser Zusammenkunft wissen." Gerade den letzten Satz sprach Roderick in einer unnötigen Strenge aus, obwohl er wusste, dass Brendan niemand war der plaudern würde, weshalb der kleine Bruder auch für den Moment ein wenig beleidigt aussah. Er sammelte sich jedoch schnell und nickte schließlich.

"Nur wir beide. Wie früher. Ich werde da sein, Bruderherz."