Eine neue Berufung - Einleitung


Orgrimmar. Trotz allem, war es einmal eine blühende Stadt in der trockenen Einöde Durotars. Für die verbliebenen Orcs ein Fels in der Brandung. Ein Fels in der Brandung einer Welt, die sie am liebsten ausgelöscht hatte. Ein Funken Hoffnung und Stärke für die Überlebenden der Strapazen der letzten Jahre. Im Grunde führten die Orcs dort ein einfaches, aber halbwegs sicheres Leben. Jeder Orc, der in Orgrimmar lebte, war von Stolz und Sicherheit erfüllt. Die Orcs hatten das Banner der Horde auf Azeroth zumindest in Durotar gebrandmarkt.

 

Das ist jetzt Vorbei.

 

Es tobte die Schlacht um Orgrimmar. Garrosh Höllschrei ging mit seinen Verbrechen zu weit und seine Taten müssen Bestraft werden. Mitten in einem Meer aus Zaubern, glänzenden Rüstungen, Schreien, starken Emotionen und den gebrüllten Schlachtrufen und Befehlen verfaulten schon die ersten Kadaver der Gefallenen Kor`kron, der Allianz und der Rebellion.

 

Die Bastion der geeinten Orcs wurde zum Höhepunkt eines gewaltigen Bürgerkrieges, der bei einem Sieg von Höllschrei das Gesicht Azeroths verändern würde. Die Landkarte würde sich rot färben. Orcisch-rot. Für die Anderen wäre kein Platz mehr.

 

Es mussten gewaltige Gefühle für die Streiter sein. Die Orcs fühlten sich in ihrer Ehre gedemütigt in ihre eigene Stadt den Tod zu tragen. Für eigentlich alle Mitglieder der früher stolzen Horde war dies ein trauriger Tag. Die Allianz hingegen, ja die Allianz, das war ihr grösster Triumph, auf den sie seit Jahrzehnten wartete: Die Horde gebrochen und hilflos zu sehen. Sie mussten nur im richtigen Moment die Schlinge zuziehen...

 

Doch mich interessierte das herzlich wenig. Der Patriotismus der mich früher vielleicht erfüllte, ist längst erloschen. Mit meinem letzten Atemzug, blies ich auch sämtliche Gefühle und persönlichen Antriebe aus meiner Hülle. Nun stehe ich hier, doch ich fühle nichts. Wenn ich es versuche, habe ich Schmerzen. An mein altes Leben kann ich mich auch nicht erinnern. Ich sehe die Leute um mich herum: Sie schreien, sie weinen. Ich fühle ihre Wut. Doch ich... mich lässt das wortwörtlich kalt. Ich kämpfe nicht für irgendjemanden. Ich kämpfe weil ich muss und weil es meine einzige Existenzberechtigung ist.

 

Doch was hat es dann für einen Sinn hier zu stehen? Ich lief mit der Rebellion in die Schlacht ohne einen Grund zu haben. Warum?

 

Ich wurde aus meinen Reflexionen gerissen als ein Kor`kron brüllend und Schnaubend auf mich zustürmte. Er war blutverschmiert und zitterte vor Anstrengung. Ich blieb jedoch vollkommen still, so wie immer. Das einzige Geräusch meinerseits, war das klimpern meiner Rüstung, als ich zum Schlag aus holte. Ich war nicht schnell genug, die Axt traf mich mit voller Wucht in das linke Schlüsselbein. Ich taumelte einen schritt zurück und der Kor`kron grinste. Sein grinsen hörte jedoch auf, als ich ihm trotz dieser scheinbar schweren Verletzung den Arm abhieb und stehen blieb, als sei nichts gewesen. Der ohne Zweifel tapfere Kor`kron wollte trotz seiner Verletzung mit seinem anderen Arm auf mich einschlagen. Doch er liess abrupt die Axt fallen. Er fing an vor Schmerzen zu schreien und Frostbeulen übersäten seinen Kopf, während er sich an den Kopf fasste. Das Frostfieber sollte angeblich sehr schmerzhaft sein. Ich ergötzte mich an seinem Leiden. Es war...befriedigend. Als ich genug hatte, hieb ich ihm - genau so still wie immer- den Kopf ab.

 

Wahrscheinlich kämpfte ich nur weil ich musste. Weil ich sonst stärkere Schmerzen erleide, als es sich der Orc von vorhin jemals hätte vorstellen können. Ja... das musste es sein. Konnte das aber alles sein?

 

Ich kämpfte mich durch, bis ich in der Nähe der Käfige war. Meine Aufgabe war es, die Gefangenen zu befreien. Warum auch immer ich das tun sollte. Schliesslich sind sie alle gleich. Wertlos. Gleichgültig. Wahrscheinlich hofften sie, ich würde dabei sterben.

 

Als ich einen der Käfige öffnete, blieb die Insasse zitternd darin stehen. Die Orcische Frau starrte mir nur in die leeren, blauen Augen. aus die immer etwas von der Magie herausquillte, die mich am "Leben" hielt.

 

"Was seht ihr mich so an? Raus da, wenn ihr leben wollt." Sagte ich monoton zu ihr.

"I-ich... ich werde euresgleichen trotzdem niemals Verzeihen ihr Monster! Ihr habt meinen Bruder auf dem Gewissen, Bestie!" Sie lief hinter die Linien der Rebellion und sie kam mehr oder weniger durch Glück lebend dort an.

"Was kümmert mich schon was die jämmerliche, schwache Sterbliche meint." Sagte ich mir selbst. Doch ich log mich selbst an.

 

"Monster". Wahrscheinlich war ich ein Monster. Auch wenn ich normalerweise keine Emotionen spürte, so konnte ich Hass und andere negative Gefühle fühlen. Hass. Ich hasste mich selbst. Das was aus mir wurde war so nicht geplant. Ich war neidisch auf die Lebenden. Irgendwann würde bestimmt alles gut werden, vielleicht wenn ich erneut sterbe... Plötzlich bekam ich wieder die selben Schmerzen wie immer, wenn ich anfing an so etwas zu denken.

 

Es war unerträglich und es hörte erst auf, als ich einen absolut leeren Kopf hatte. Es nicht einmal wagte einen Gedanken an mein altes Leben zu verschwenden oder an Erlösung zu denken.

 

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Schliesslich, als die Schlacht gewonnen war, feierten alle. Glücklichkeit, ein bisschen Frieden, Erleichterung. Der ein oder der Andere Mensch schüttelte nach der weisen Entscheidung Wrynns sogar einigen Orcs die Hand.

Mich interessierte das alles nicht. Ich blieb kalt und stand reglos da, beobachtete die Lebenden, während ich weiter nach einem Sinn in meinem Dasein suchte.