Eine neue Berufung Teil IV


Der Versammlungsraum der Kaserne. Ein schwüler Nachmittag. Im Raum stehen überall Waffen, Pokale und andere Trophäen. Zwei große Feuerbecken erhellen den Raum. An den Wänden prangt das Wappen der "Gemeinschaft", wie sie Krumpelflix nennt. Ein Helm, eingraviert auf einer Münze.

 

"Nun gut..", beginnt Frudin: "Unser Muskelprotz hier ist neu." Er zeigt auf mich. "Damit ihr als Team miteinander funktioniert, ist es notwendig dass ihr eure Partner genau kennt und ihre Angriffstaktiken kennt. So kann man Teams und Kombinationen bilden, die sich gegenseitig gut ergänzen. Ausserdem ist es für die Zuschauer amüsanter, wenn der Kampf bitterer ist, solltet ihr gegeneinander Kämpfen müssen. Aber das wussten hier ja hoffentlich schon alle, außer unser Klotz."

 

"Das heisst, wir sollen ihm unsere Kampfstil erklären?", fragt Kroma. "Genau das. Und der Höflichkeit wegen beginnt unser neuer Mitstreiter."

 

Ich stelle mich vor die Anderen. Besonders von der Nachtelfe bekomme ich scharfe Blicke zu spüren. Sie prallen an mir ab. Mit einem lauten Knacken öffne ich meinen Mund und beginne zu reden:

 

"Ihr wollt das wirklich wissen?"

"Nein, wollen wir nicht. Wir müssen aber.", kommt es aus der Richtung von Leysra, die sichtbar angewidert hinüberblickt.

 

"Wenn ihr so sauber seid, warum tötet ihr für etwas Gold?", lacht Sael`Thar.

 

Bevor sie anfangen zu streiten, verpasst Frudin dem Blutelfen eine Nackenschelle die er so schnell nicht vergessen wird.

 

"Ich fange jetzt an."

 

"Also, ich fange beim Grundwissen an. Wie ihr hoffentlich bemerkt habt, bin ich nicht sehr lebendig. Flüche und Krankheiten sollten bei mir nicht wirken. Es bringt auch nichts, mir in den Kopf oder in die Brust zu schiessen.

Am besten versucht ihr:

 

1. Meinen Körper komplett zu zerstören

2. Den Ort zu finden, wo die neuromantische Magie gespeichert ist zu treffen

3. Mich kampfunfähig zu machen, indem ihr mir die Gliedmassen oder am besten den Kopf abtrennt, zerstückelt, was auch immer.

 

Ich als Todesritter, habe eine Schwachstelle, die ihr unbedingt ausnutzen solltet. Meine Runenklinge ist ein Teil von mir und jedes anderen Ritters. Solltet ihr es schaffen, sie mir zu..."

 

Ein furchtbares Gefühl von Übelkeit und Kopfschmerzen ereilt mich. Ich höre ein unerklärlich schmerzhaftes Flüstern von meiner Runenaxt.

 

"Ihr müsst sie mir entwenden oder... s-sie z-z-erstören. AUFHÖREN! BITTE!" Rufe ich taumelnd. Der Schmerz lässt nach. Denn die Katze ist schon aus dem Sack.

Ich fange mich und fahre fort:

 

"Ihr seht... die Klinge ist ein Teil von mir. Ihr Verlust ist für mich, als würde man mir beide Arme abtrennen und sämtliche Macht entziehen. Das ist das Schlimmste, dass einem Todesritter wiederfahren kann. Die Klinge steuert meinen Blutdurst. Sie kann mir auch unerträgliche Schmerzen zufügen, wenn ich ihr nicht gehorche. Merkt euch das. Doch für euch genau so wichtig, ist: Berührt die Klinge unter keinen Umständen. Sie kann sofort Besitz von eurer schwachen Seele erlangen und euch zu ihrem Sklaven machen, wie zum Beispiel mich."

 

Die anderen starren mich Teils geschockt, Teils angewidert an.,Ob sie Mitleid haben? Der Schmerz setzt wieder ein.

 

"Weiter. Ein Todesritter spezialisiert sich für gewöhnlich auf einen der drei finsteren Pfade der Dunkelheit:

 

Der erste Pfad: Blut

 

Die Kontrolle über das Blut der Lebenden, erlaubt es uns Todesrittern, das Blut unserer Opfer zum Kochen zu bringen, es zu absorbieren und so unseren eigenen Körper damit zu stärken oder uns damit sogar zu "heilen". Diese Todesritter können durch die Macht über das Blut ihre Gegner sogar teilweise kontrollieren.

 

Der zweite Pfad: Frost

 

Die Macht des Frosts gibt dem Todesritter die Macht über die eisige Kälte, die seine Klinge noch härter und seine Hiebe noch schneidender macht. Die Macht des Frosts lässt die Luft um den Todesritter einfrieren und seinen Gegner somit schwächen. Schnelle, präzise Hiebe zeichnen ihn aus.

 

Der dritte Pfad: Unheiligkeit

 

Die Macht des Todesritter über das Unheilige, ist das genaue Gegenteil eines Paladins. Seine unheilige Kraft ist so stark ausgeprägt, dass der Boden um ihn herum entweiht wird und alles verpestet, was er berührt. Er ist darauf spezialisiert mit untoten Dienern und verschiedenen Seuchen zu kämpfen.

 

Im Gegensatz zu der Macht des Frostes, versucht man mit dem Unheiligen den Gegner langsam und qualvoll zu zermürben und schliesslich, zu töten. Merkt euch: Der kleinste Schnitt infiziert euch und besiegelt somit euer Ende.

 

Auch wenn man sich spezialisiert, so kann ein Todesritter jedoch ein bisschen von jedem Pfad. Untote im Allgemeinen sind anfällig gegen Licht. Das solltet ihr bereits wissen."

 

Ich setze mich wieder in meine Ecke und und bleibe stumm. Ich habe es nicht nötig, den anderen zuzuhören. Ich kenne sowieso jede einzelne ihrer Taktiken.

Ich habe bereits Unzählige von ihnen allen getötet.

 

Die anderen sitzen alle mehr oder weniger als Gemeinschaft zusammen. Lachen zusammen. Reden zusammen. Essen gemeinsam. In solchen Momenten, erschleicht mich fast ein bisschen Neid, bevor ich von den Schmerzen aus den Gedanken gerissen werde. Ich fühle mich fehl am Platz. So falsch.

 

Und doch bin ich da. Irgendwann werde ich einen neuen Sinn in meiner Existenz finden. Dieser erbärmliche Zirkus ist nur Mittel zum Zweck, um den Hunger zu stillen, die Qualen zu lindern.

 

Etwas später am Abend.

 

"Kroma! Ich teile dich dem Todesritter zu. Eure Kräfte sollten äußerst effektiv zusammen sein.", meint Frudin, in einem für ihn ungewöhnlich ernsten Ton.

 

"Meinetwegen. Ich hoffe er macht mir keinen Ärger."

 

Insgeheim ist sie ziemlich neugierig, wer genau sich hinter meinem Helm verbirgt. Welches ehemalige Leben zum Beispiel, wer ich war. Sie fragt sich oft, warum sie das überhaupt interessiert.

 

Ich sitze gerade vor dem Gebäude auf einer Bank vor dem Trainingsplatz und starre in die Richtung des Dschungels. Die erhöhte Position gewährt eine sehr gute Aussicht über den Schlingendorndschungel.

 

Kroma setzt sich neben mich. Jedoch mit etwas Abstand, denn sie spürt etwas dreckiges in der Luft um mich herum. Ein Gestank ist unverkennbar um mich herum.

 

"Wir... wir wurden einander zugeteilt. Wir sollen Morgen damit beginnen, uns aufzuwärmen."

 

Ich nicke abwesend.

 

"Was macht ihr hier eigentlich die ganze Zeit?", fragt sie.

 

Warum fragt sie mich das? Interessiert es sie?

 

"Ich denke nach."

 

Sie nickt, lehnt sich an die Stütze und sieht in die gleiche Ferne wie ich.