Sturm der Hölle


Der Tag begann wie jeder andere am Hyjal: Wie ein goldener Schleier legte sich die Sonne auf zerklüfteten Hänge des Berges, als sie langsam am Firmament aufging. Eine frische Brise wehte mir ums Gesicht, die einen merkwürdigen Geruch mit sich trug. Schwefel! Langsam schritt ich an den Rand des Berges, kniff die Augen zusammen und blickte hinab.

 

Ich schlucke, als Granock sich neben mich stellte und mir auf die Schulter klopfte. „Es beginnt!“ rann es mir leise, fast schon ehrfürchtig über die Lippen. Wissend, der Dinge die nun fast schicksalshaft ihren Lauf nehmen werden.

Als hätte Granok meine Gedanken gelesen, grollte er ein tiefes „Der Berg wird brennen.“ hervor. Ich nickte und atmete leise tief durch.

 

Gradok gesellte sich gähnend zu uns und rümpfte die Nase „Was gibt’s?“ Still schweigend streckte ich meine Hand in Richtung des Lagers der Legion und der Untoten. Unstetes Treiben brach dort aus. Es schien, als würde sich die Hölle selbst in Bewegung setzen, eine scheinbar unaufhaltbares, brennendes Bollwerk und ein Schatten der Finsternis zogen sich über die Teile des Berges und ließen nichts Lebendes hinter sich, bis sie knapp außer Reichweite der menschlichen Mörser stoppten.

 

Der Schatten und das Feuer verschwanden langsam und man sah die enorme Streitmacht die sich uns entgegenstellen würde. Eine einzelne riesige Person stellte sich wie eine Speerspitze vor diese Masse. „Archimond“, hauchte ich. Wir alle kannten den Namen, doch das Grauen und Schrecken, den er mit sich trug, sollte uns erst noch gewahr werden.

 

Mein Blick schweifte ab und fokusierte den mächtigen Baum über uns. Kraftvoll umklammerte ich meinen Bogen. Er würde niemanden verschonen, keine Gnade zeigen. Nichts und niemand würde sich ihm entziehen können. Es würde ein äußert ungleicher Kampf werden, seine Streitkräfte waren den unseren mindestens 100:1 überlegen. Doch wir hatten einen Vorteil.

 

Hoffnung. Hoffnung auf ein besseres Leben, als freies Volk, in einem freien Land. Ein Land, in dem wir uns niederlassen und siedeln könnten. Und niemand würde uns, meinem Volk diese Hoffnung und Chance nehmen.

 

Regungslos, wie ein Fels stand Archimond vor dem riesigen Dämonenheer. Seine imposante Statur und sein breites Grinsen, sprachen eine deutliche Sprache. Er war sich seiner Sache mehr als sicher. Die Legion wird auch auf diesem unwichtigen Planeten ihre wahre Macht zeigen und ihn in Flammen aufgehen lassen. So, wie sie es schon unzählige Male zuvor getan hat.

 

Maßlose Arroganz und absolute Siegesgewissheit, ließen keinen Zweifel daran, dass er dieser, in seinen Augen, lächerlichen Gegenwehr der sterblichen Völker, keinerlei Wert beimaß, oder gar eine Gefahr in ihr sah. Nach einer Weile der Stille, wo selbst das Getier sich nicht traute einen Laut von sich zu geben, drehte sich der oberste Legionsführer um und wie durch ein geheimes Zeichen, schien es, als würden sich die Tore der Hölle öffnen und so brach Welle um Welle des Verderbens über uns herein. Begierig auf unser Blut, unsere Leben und unsere Seelen. „Sie werden zuerst die Menschen überrennen, doch wir werden sie aufhalten!“ sagte ich und schnaubte. Granock nickte zustimmend, während Gradok grinsend seine Zähne zeigte. „Das wird ein Spaß!“ lachte er leise. „Das wird unser Tod!“sagte ich. Granock zuckte mit den Schultern. „Kann schon sein, aber hier zu sterben ist genauso gut wie überall sonst.“

 

Nachdenklich wandte ich mich in Richtung unseres Lagers, wo die Truppen das Spektakel mitbekamen. Mein Blick überflog unsere Männer und Frauen und ich erkannte die Furcht, aber auch den Stolz, in ihren Gesichtern. „Nein mein Freund! Hier zu sterben, für die Horde, für unseren Kriegshäuptling, ist besser.“ Bei dem Gedanken daran, hier auf diesem Feld der Ehre, mein Leben lassen zu dürfen und ins unsterbliche Heer unserer Ahnen aufgenommen zu werden, ließ meinen Körper vor Ehrfurcht erzittern und zauberte ein Lächeln in mein Gesicht.

 

Der Aufmarsch und erster Angriff auf das Lager der Menschen war niemandem lange verborgen geblieben. Unser Lager erwachte schnell, denn Zeit war kostbar, wir einfache Grunzer stellten uns in Reih und Glied vor der Hütte des Häuptlings auf. Gradok konnte sich vor Ungeduld kaum ruhig stehen, während Granock und ich uns zu beherrschen versuchten. Doch auch wir waren heiß auf den Kampf, unser Blut geriet immer mehr und mehr in Wallung, beim Gedanken daran unser Blut und Schweiß für die Horde vergießen zu dürfen. Die Aufregung war Gradok mehr als nur anzusehen, nervös trat er von einem Fuß auf den anderen.

 

„Das wird ein Spaß“ zischte er mir zu, manchmal hatte ich das Gefühl er wollte Selbstmord begehen, fand aber die Selbsttötung als zu unehrenhaft und wartete deshalb auf einen guten Feind der es für ihn tat. „Das wird ein richtiger Kampf!“ witzelte ich zurück. Doch ich war unglaublich nervös, ob es an der Angst oder an der Vorfreude lag, kann ich heute nicht mehr sagen.

 

Die Armee unserer Horde , versammelte sich vor der Hütte des Kriegshäuptlings, die provisorisch hierhin gezimmert wurde.

 

Stillgestanden und in voller Kampfmontur, warteten wir auf die drei Anführer unserer ehrenvollen Armee, die sich derzeit noch, über die Schlachtpläne gebeugt, berieten und uns bald in unsere bis dahin größte Schlacht schicken würden. Und es wäre uns eine verfluchte Ehre. Der Umhang vor dem Tor der Häuptlingshütte bewegte sich und so traten unsere Anführer geschlossen hindurch und mit eisernen Minen hindurch.

 

Thrall, gefolgt von Vol´jin zu seiner Rechten und Cairn Bluthuf zu seiner Linken. Ein ehrfürchtiges Raunen ging durch die Menge und wir alle knieten uns voller Demut nieder. Thrall erhob donnernd seine Stimme. “Brüder!“ schrie er uns fast an, “erhebt euch und seht mir in die Augen!“ Wir erhoben uns alle und blickten fast schon versteinert auf ihn. „Wir stehen vor der größten Gefahr, der diese Welt jemals in ihr hässliches Antlitz sehen musste. Von Angesicht zu Angesicht, stehen wir der größten Bedrohung gegenüber, der wir uns je stellen mussten. Die Wesen, die unser Volk einst versklavten und unterdrückten, uns zu ehrlosen Kreaturen erniedrigten und uns als willenloses Werkzeug missbrauchten, sind nun hier und versuchen uns aus unserem neuen Exil zu vertreiben.“Er unterbrach seine Rede für einen kurzen Moment. „Doch wir werden uns nicht verstecken! Wir werden uns weder missbrauchen, oder vertreiben, oder uns gar vernichten lassen! Wo unsere Ahnen einst als freie Wesen geboren wurden, wurden wir durch Grom Höllschrei aus der Umklammerung der Versklavung befreit, indem er den höchsten aller Preise dafür bezahlte und sein Leben für uns gab. Ehrt ihn an diesem Tag und ehrt alle Brüder und Schwestern unserer aller Völker, die für den Fortbestand unserer Rassen und für eine glorreiche Zukunft gefallen sind. “Sein letztes Wort brüllte er geradezu hinaus. Die gesamte Masse jubelte und brüllte seinen Namen, wir drei stimmten freudig mit ein und ließen uns von dem Enthusiasmus mitreißen.

 

Sich Gehör verschaffend, hob Thrall die Hände damit es wieder leise wurde. „Meine Brüder und Schwestern, hört meine Worte. Dort in der Ferne bewegt sich unsere Nemesis, unsere Marter, unser Schicksal. Sie werden unsere Körper brechen, unseren Geist vergiften, uns unserer Hoffnung berauben wollen. Ich möchte ehrlich zu euch sein. Noch bevor sich das Abendrot über die Weiten legt, werden viele, die ihr jetzt noch an eurer Seite seht, nicht mehr sein. Viele werden den morgigen Tage nicht mehr erleben.

 

Doch wisset dies, meine Freunde. Selbst wenn wir heute unser aller Tod finden werden, so könnt ihr den Ahnen mit Stolz und Ehre gegenübertreten, da ihr euer Leben für eure Völker gegeben habt. Wir stehen vor einem Feind der keine Gnade kennt, also gewähren wir ihm auch keine. Geht zu euren Truppen, geht zu euren Leuten und gemeinsam zerquetschen wir die Legion und ihre Diener.“ Wieder brach Jubel aus, die Masse kannte kein Halten. Die Euphorie war einfach zu groß. Es war eine großartige Ansprache. Sie brachte uns alle die Motivation und den Glauben an diesen Sieg und an unseren Kriegshäuptling, den wir für diese Schlacht brauchten. Es war ein großartiger Moment. Bis wir eine Stimme hörten, die uns alle zu übertönen schien.

 

„ Eine Nette Ansprache, Orc!“ Die Masse drehte sich in drehte sich in Richtung der Quelle der Stimme, zum Ausgang des Lagers. Eine Nachtelfe, groß und ehrfurchtgebietend, flankiert von zwei Leibwachen, deren Blick aussagte, dass sie uns am liebsten auf der Stelle töten würden. “Tyrande, was wollt ihr hier? Müsst ihr euch nicht auf die Schlacht vorbereiten?“ erschallte es aus dem Vorhof. „Auf ein Wort, Kriegshäuptling!“ Das letzte Wort schien sie fast auszuspucken. Thrall sah wieder in unsere Richtung. „Soldaten, ausrücken! Kämpft!“ Mit einem weiteren Ausbruch des Jubels, entfernten wir uns und Tyrande und Thrall verschwanden in der Hütte.

 

Seite 1



„Was haben sie wohl zu besprechen?“ murmelte ich, als mich ein großer Orc an der Schulter packte und zurückzog. „Das geht uns nichts an, Soldat. Auf euren Posten!“ Ich sah nach hinten und blickte in die Augen von Varok Saurfang. Meine Augen weiteten sich. „Natürlich, mein General.“ stotterte ich leicht. Fast schon väterlich, sah er mir in die Augen und lächelte. „Zu wem gehört ihr Junge? „Zu Rotasch, mein Herr.“ sagte ich fast fragend. „Jetzt nicht mehr. Folgt mir und nehmt mit wenn ihr mitnehmen wollt.“ „Na-natürlich“, kam es mir reflexartig über die Lippen. Ich ging leicht stolpernd in Richtung Gradok und Granock, die schon auf dem Weg in Richtung unserer Truppe waren. „Wo warst du solange?“ fragte mich Gradok schnippisch“ General Saurfang hat uns gerade zu seinem Trupp abkommandiert.“ antwortete ich immer noch konfus. Beide machten große Augen. „Das ist ein Witz oder?“ preschte Gradok hervor. Ich schüttelte den Kopf und begann zu Grinsen. Die beiden sahen sich an und lachten. Varok Saurfang! Eine Legende und wir haben die Ehre Seite an Seite in diesen Kampf zu ziehen. Entweder würden wir vor unserem Tod, einen der größten Krieger der Horde an unserer Seite wissen oder mit ihm in der Schlacht dienen und damit unsterblich werden. Beides waren gute Aussichten.

 

Wir rannten Varok hinterher und folgten ihm, als er durch die Reihen an die Front marschierte. Hier standen die härtesten und kampferfahrensten Krieger der Horde hinter einem Feld voller Goblin-Minen. Ein Goblin ging an uns vorbei, verbeugte sich übertrieben lächerlich vor uns und ging dann laut lachend weiter. Varok führte uns zu einem der vielen Wälle und der Gräben dahinter die gebaut und ausgehoben wurden. Von hier hatte man einen guten Ausblick auf das Lager der Menschen, welches zu diesem Zeitpunkt schon als überrannt angesehen werden konnte. Trotz ihres tapferen Ausharrens, konnten sie sich der gewaltigen Übermacht an dämonischen Truppen nicht erwehren. Ich schluckte schwer, als ich sah, mit welchem Übermaß an Blutrünstigkeit die Legion das Lager dem Erdboden gleichmachte. Varok baute sich vor uns auf. „Krieger der Horde, ihr alle habt Thrall gehört und was er sagte kann ich nicht weiter verbessern. Wir werden uns diesem Feind hier entgegenstellen und ihn aufhalten. Er wird hier scheitern und seine Siegesgewissheit wird brechen. Wir sind die Horde und wir sind ungebrochen!“ Wir hoben unsere Waffen und brüllten es hinaus. „Für die Horde!“

 

In diesem Augenblick teleportierten sich die letzten Überreste der menschlichen Armee in unmittelbare Nähe. Angeführt von Jaina Proudmoore, sah man hier nun die letzten kläglichen Überreste, die den Menschen blieben. „Es tut gut euch zu sehen, Lady Proudmoore.“ Sie keuchte, das Atmen fiel ihr offensichtlich schwer. Gezeichnet vom Kampf, antwortete sie. „Wir haben getan was wir konnten, Varok. Nun ist es an euch. Seht zu, dass meine Leute ihr Leben nicht umsonst gaben.“ antwortete sie ihm. Er nickte „Wir werden ihnen keinen Millimeter schenken.“ Sie senkte kurz ihren Kopf, als Antwort und ging mit ihren Soldaten in Richtung Camp. „Wir werden euch bald wieder unterstützen, doch erst einmal brauchen meine Männer und ich Rast.“ rief sie ihm im Fortgehen zu. „Natürlich, Lady.“ Varok nickte zwei Grunzern zu. „Ihr eskortiert sie zu Thrall! Es wird ihnen kein Haar gekrümmt, sie stehen unter meinem persönlichen Schutz.“ „Ja General!“, antworteten sie, als sie salutierten und wegmarschierten.

 

Der erste Schritt war getan nun hieß es warten, bis die Dämonen kamen um uns zu holen. Lange würde es sicher nicht mehr dauern. Und ich würde Recht behalten.

Die Dämonen waren auf dem Weg zu uns. Unaufhaltsam konnte man sie hören, ja fast schon spüren, wie sie Meter für Meter an unsere Stellungen herankamen. Die Luft war getränkt vom schwefligen Gestank, den sie verströmten. Doch unser Empfangskommando stand schon bereit. Die Atmosphäre knistere vor Spannung und die Luft war elektrisiert, als sich unsere Schamanen in Stellung brachten, um der ersten Welle der Dämonen hier ein Ende zu bereiten.

 

Wie auf Stichwort, sprang in diesem Moment der erste Höllenhund auf die vor uns liegende Lichtung und somit in Sichtweite unserer Truppen. Seine Tentakel waren nach vorne gerichtet und sein Maul weit geöffnet, dafür gedacht jeden zu zerreißen der ihm in den Weg kommt. Varok legte mir die Hand auf die Schulter „ Abschießen!“ Ich zielte zwei Sekunden und schon steckte mein Pfeil in seinem Auge, sodass er sich überschlug und an Ort und Stelle liegen blieb. „Sehr gut!“ sagte er und erhob alsbald die Stimme. „Sobald ihr das Weiße in ihren Augen seht, feuert nach eigenem Ermessen!“

 

Es wurde wieder still, nur der sterbende Hund machte leise Geräusche. Eine trügerische breitete sich aus. Kein Gebrüll, kein Donnern von tausenden Dämonen war zu hören. Die Ruhe vor dem Sturm.

 

Plötzlich ebbte die Stille ab und ein gewaltiges Schlachtgebrüll drang aus dem Wald hervor, als eine Masse von Dämonen, Legionären und Höllenhunden aus dem Unterholz hervorbrach. „Feuer!“ schrie Varok und das Geräusch der angelegten Bogensehnen der Jäger und Bogenschützen mischte sich in das Flirren der Blitze und Feuerbälle, sowie der Krachen der Minen, die in die Luft flogen und die Dämonen zu Dutzenden zerrissen.

 

Ein Feuerwerk aus Farben, Material und dem Blut der Feinde. Immer schneller legte ich meinen Bogen an und meine rasiermesserscharfen Pfeile trafen einen Dämonen nach dem anderen. „Auf Kopf oder Beine Zielen und treffen Brüder!“ schrie ich im Adrenalinrausch, als ein schier unendliches Bombardement an Pfeilen und magischen Geschossen auf den Gegner niederging.

 

Und doch schien es mir, als würde – wie beim Kopf einer Hydra gleich – für jeden getöteten Feind, zwei weitere erscheinen. Während Welle um Welle der Dämonen unter dem Geschosshagel niedergingen und sich die toten Körper teilweise schon zu stapeln begannen, ging den ersten Schützen unserer Einheit die Munition aus. Unter dem immer schwächer werdenden Beschuss, drangen die ersten Dämonen bis an die erste Frontlinie heran.

 

„Mörser! Feuer hinter ihre Front!“ schrie Varok und die zwergischen Schützen donnerten los. Die einschlagenden Mörsergranaten verwandelten die hinteren Truppen, des dämonischen Ansturms in Staub. Doch als die vordersten Reihen der Legion, auf die Stellung der sterblichen Völker traft, preschte Varok hervor und schlug ihnen mit einem Hieb seiner gewaltigen Axt, die Köpfe von ihren Rümpfen.

Er streckte seine blutverschmierte Waffe in die Höhe und brüllte „Ruhm und Ehre! Für die Horde!“ Aufgestachelt sprang er, gefolgt von seinem Männern in die Gegner und schlug ein Bresche in den nicht enden wollenden Strom von Dämonen. Nachdem sie Reihe um Reihe niederschlugen, erkannten sie, dass er erste Ansturm gestoppt wurde, was allen Beteiligten einen kleinen Moment der Erholung einbrachte. Die Sonne ging weiter auf und Rauch stieg von den Leichen der verbrannten Dämonen auf. Varok und seine Männer waren über und über mit Blut besudelt, doch sie alle atmeten leicht als wäre nichts passiert. Ich hörte einen Vogel über meinem Kopf singen und folgte ihm mit den Augen. Ich lächelte und sagte leise zu mir selbst“ Ein guter Tag zum sterben!“ Ich knurrte und wartete.

 

Seite 2



Der nächste gegnerische Angriff, ließ nicht lange auf sich warten. Doch diesmal marschierten sie, angeführt von einem riesigen Grubenlord auf uns zu. Er bahnte sich mit Leichtigkeit einen Weg durch die Bäume vor der Lichtung, was einem einen guten Blick auf der brennende Schneise gewährte, die sie geschlagen hatten.

In seiner monströsen Gestalt, baute er sich vor seinen Truppen auf und begann mit kehliger Stimme zu sprechen. „Ihr habt meine Vorhut ausgelöscht, Sklave. Herzlichen Glückwunsch! Doch nun werdet ihr sterben. Ich werde euch und euresgleichen, wie den jämmerlichen Wurm, der ihr seid, zerquetschen.“

Als diese Worte, getränkt voller Hohn, Abscheu und Verachtung aller sterblichen Völker gegenüber an Varoks Ohren drang, wandelte sich dessen Mine. Von dem freundlichen Orc der mich mit an die Front nahm und stets die Ausstrahlung einen gutmütigen Vaters hatte, zu einem eiskalten und blutbesudelten Schlächter.

Ich erschrak und schluckte schwer, als mir diese Veränderung gewahr wurde. Und ich war mehr als froh und dankbar dafür, dass nicht ich es bin, der ihm hier und heute als Feind gegenüber steht. Aus Varoks Kehle erklang ein Lachen, was mir selbst heute noch die Haare zu Berge stehen lässt, wenn ich nur daran denke. „Euer Kopf gehört mir, ihr Stück Abfall der Legion. Ich werde ihn meinen Truppen, als Latrine überlassen“. Abfällig brachen die Grunzer hinter Varok in heiteres Gelächter aus und verspotteten ihn mit obszönen Gesten.

 

Gradok trat begierig von einem Bein aufs andere während sein Bruder erneut aussah, als würde er mit den Elementen sprechen. Beide waren auf ihre Art bereit. Unberührt, der Drohungen, brach es aus dem Grubenlord heraus „Ein überheblicher kleiner Wurm, der sich mir und Lord Archimond in den Weg stellt. Ihr werdet für eure Anmaßung und Überheblichkeit endlose Qualen erleiden müssen!“ Ich zog meinen letzten Pfeil aus dem Köcher, spannte meinen Bogen, zielte und schoss. Der Pfeil flog und schlug direkt in das Auge des Grubenlord. Er schrie auf und wankte leicht nach hinten. Er riss die Arme in die Luft „Tötet sie! Tötet sie alle und bringt mir ihre Köpfe!“ Ich lies meinen Bogen fallen und Griff zu meinen beiden kleinen Einhandäxten, beide eher schmucklos doch praktisch, waren sie doch wichtige und gute Werkzeuge des Krieges. Die Dämonen rannten auf uns zu, alsVarok erneut seine Waffe erhob und brüllte „Macht sie nieder““ schrie er und rannte den Feinden entgegen. Ich setze mich in Bewegung, sprang über den Graben und folgte ihm in die Schlacht.

 

Der erste Dämon den ich erwischt hatte zu viel Schwung und rannte mir eher in die Waffe, als das ich diesen Tod für mich verbuchen würde. Doch schon bald war ich mitten im Schlagabtausch mit einem Legionssoldaten, der mich mit einem großen Schwert attackierte. Nach mehrmaligen Parieren, gelang es mir, ihm einen Schnitt ins Bein zu bescheren, sodass er strauchelte und fiel, was mich in die Lage versetzte, ihm den Garaus zu machen. Gradok sprang an mir vorbei uns Riss einen Dämonen um dem er ins Gesicht sah und schrie „Brenne!“ und sein Kopf ging in Flammen auf. Er rannte lachend und mit blutigen Äxten weiter. Granock schmiss mit allen Elementen um sich und Zielte vor allem auf ihre Hinteren Kämpfer und dünnte somit ihre Reihen systematisch aus. Kam ihm ein Dämon zu nahe ging er meist in Flammen auf oder wurde zu Eis. Varok war kaum noch zu sehen und mehr ein blutiger Sturm, aus Stahl als ein lebender Orc, bahnte sich seinen Weg durch die Reihen der Legion. Langsam aber sicher wurde das Schlachtengetümmel zu unübersichtlich und so verlor ich meine Freunde in der Masse, während ich weiterhin versuchte den Angriffen auszuweichen, oder zu parieren.

 

Doch auch wir mussten Verluste beklagen und bedenkt man unsere Ausgangsstärke, wogen sie um einiges schwerer, als die unserer Feinde. Dutzende meiner Brüder und Schwestern lagen tot auf dem Boden, ihre Körper zerschmettert und geschändet doch jeder mit vielen Toten Feinden um sich wir töten sie zu Hauf doch es wurden nicht weniger. Doch auch Verletzte konnte man in diesem Meer aus Körpern und abgeschlagener Extremitäten erkennen. Die wenigsten verzogen bei ihrem Dahinsiechen das Gesicht oder schrien gar, trotz ihrer Schmerzen. Es waren sogar noch Kämpfer auszumachen die, obwohl verletzt und eigentlich kampfunfähig, trotzdem noch den Kampf suchten. So wie es sich für echte Orc´s gehörte. Doch die meisten starben ohne den Hauch einer Chance zur letzten Verteidigung.

 

Die Dämonen waren zahlenmäßig weit überlegen und bald bildeten sich kleinere Trauben von hordischen Kämpfern die eingekesselt wurden. Die Front war zwar noch intakt, doch unsere Flanken und die Zweite Reihe wurden ebenfalls abgegriffen. Doch für Schlachtordnungen war nun keine Zeit mehr, mein Blick fiel auf andere Dinge. Ich konzentrierte mich nur noch auf den Kampf, wie eine Maschine. Schlagen, parieren, ausweichen. Schlagen, parieren, ausweichen und immer den Kopf im Visier.

 

Ich schlug gerade einem Dämonen den Kopf ab, als ich eine Stimme hörte. „Blut!“ murmelte sie. So leise, dass sie scheinbar neben mir hätte stehen müssen. Ich sah mich kurz um und schnitt dem nächsten Dämonen ins Gesicht und Trat ihn zur Seite.

 

„Blut!“ Diesmal konnte ich sie etwas deutlicher und lauter wahrnehmen. Mir war, als würde sie aus meinem Kopf kommen, doch ich versuchte es zu ignorieren.

Doch je mehr ich sie zu verdrängen versuchte, desto lauter und eindringlicher pochte es in meinem Kopf. „Blut! Blut! Blut!“ Nun durchdrang diese Stimme, meinen gesamten Körper, jede Faser meines Seins, als ich mich weiter durch die feindlichen Reihen kämpfte.

 

Ein großer Dämon, scheinbar ein General, mit zwei gezackten Schwertern, richtete gerade einen Grunzer, der blutend am Boden lag.

 

Er zog die Schwerter knackend aus dessen Brustkorb, als er mir in die Augen sah. In mir kochte die Wut. Einer unserer Soldaten gefällt. Abgeschlachtet, wie ein Stück Vieh. In mir breitete sich Hass aus und ich gab mich ihm voll und ganz hin, während meine Gedanken nur noch um die Stimme in meinem Kopf kreiste. Ich stürmte brüllend auf ihn zu und schlug dabei einen seiner Soldaten aus dem Weg. Ich holte aus, doch er blockte meinen Hieb, was mir den Schwung nahm und mich ins Taumeln brachte. Er holte nach mir aus, doch ich konnte seinen Angriffen knapp entkommen. So traf sein Schwert, statt meinen Kopf nur meinen Zopf und schnitt einen Teil davon ab. Ich stolperte und rutsche mehr oder weniger hinter ihn, was mich in die Lage versetzte ihm einen Stich ins Bein zu versetzen. Er brüllte auf vor Schmerz.

 

Weitaus flinker als ich dachte, drehte er sich herum und bohrte sein Schwert in meinen Oberarm. Zwar fing meine Schulterpanzerung den größten Schaden ab, doch ich blutete. Seine Waffe jedoch steckte in der Panzerung fest, was mich zu einem Lächeln hinreißen ließ. So schlug ich ihm hart an den Kopf, was ihm kurzzeitig die Sinne raubte. Er geriet ins Straucheln. Bei dem Versuch sich erneut in eine gute Kampfposition zu bringen und wieder auf mich einzuschlagen, wehrte ich seine kläglichen Angriffe ab und entledigte mich seiner.

 

Gezeichnet von diesem Kampf, stand ich nun brüllend über seinem Körper und blickte auf den gefallenen Orc herüber.

 

Etwas in mir hatte sich verändert. Ich sah auf meine Hand, die sich pulsierend immer wieder verkrampfte. Ich griff meine Axt fester und stürmte in die nächste Welle der Dämonen. Alle würden sie fallen und man würde ihre leblosen Körper höher aufschlichten, als der Hyjal groß wäre. Das schwor ich mir. Ich gab dem Blutrausch nach. Die stimme in meinem Kopf hatte ich vergessen, doch sie gab ein zufriedenes Schnauben ab.

 

Seite 3



Die Dämonen stürmten weiter gegen uns an und wir wurden weniger, es fühlte sich an als hätte ich seit Tagen gekämpft. Meine Arme wurden schwerer und schwerer doch der Hass und die Wut hielten mich stark und wir hatten den Dämonen einen enormen Verlust zugefügt. Ich versuchte mich in Richtung Gradok und Granock zu kämpfen, um wieder zu Varok und den Großteil der Truppe zu kommen. Um mich herum kämpften immer noch Orc´s doch auch Trolle, Tauren und einige Goblins standen dort, weshalb ich nicht mehr Genau wusste an welchem Abschnitt ich genau war. Die geordnete Schlachtstruktur war längst dem Chaos des Kampfes Mann gegen Mann gewichen. Doch das war auch gar nicht so wichtig.

 

Ich konnte nicht weit von mir entfernt, unzählige Blitze und Flammenstöße ausmachen, die sich durch unzählige Dämonen pflügten. „Gradok!“ entwich es mir mit einem Lächeln. Sein Körper war bedeckt mit Blut und Ruß. Sein wölfisches Grinsen, durchdrang das Bollwerk aus Stahl und Magie, in das sich Gradok mittlerweile gewandelt hat. Er klopfte mir auf die Schulter. „Noch am Leben? Hmm....zäher als ich dachte.“ brüllte er lachend gegen den Schlachtenlärm. „Ich bin selbst überrascht davon“ kam es von mir scherzhaft zurück.

 

Eine große Traube von Dämonen marschierte auf uns zu. „Dann wollen wir mal.„ schnaubte ich erschöpft. Wir sprangen beide in ihre Mitte und wüteten. Als sie reglos am Boden lagen kniete ich mich auf den Boden. Ich war geschafft und am Ende, ich spuckte Blut und sah an mir herab. Zwar hatte ich keine große Wunde abbekommen, doch viele kleine ließen mich bluten und der Schlag an meiner Schulter schmerzte sehr.

 

Eine weitere Truppe der Dämonen steuerte direkt auf uns zu. Ich atmete schwer. „Verdammt!“ kam es von Gradok, auch er war kaum noch kampffähig. Ein kurzes Nicken meinterseits, signalisierte ihm sich bereit zu machen.

 

Eine Hand legte sich auf meine Schulter „Die gehören mir!“ sagte eine bekannte Stimme und Flammen und Blitze schlugen an uns vorbei mitten in sie hinein. Sie hinterließen nur einen Haufen Asche am Ort. Ich drehte mich um und sah in das freundlich lächelnde Gesicht von Granock, der geistig schwer erschöpft war und Schwitzte. Weitere Dämonen umschwärmten uns und wir hoben die Waffen. Aufgeben war keine Option und der Strom würde nicht einfach so aufhören. Noch bevor ich den Gedanken abgeschlossen hatte, gab es eine große Explosion. Der Berg erbebte und ein grelles Licht ging von der Bergspitze aus, was die Dämonen erstarren lies. Die Druckwelle lichtete den Staub und den Rauch und ich sah unseren Trupen verstreut unter den Dämonen wüten, doch auch sie stoppten wie wir und sahen gen Himmel. Eine große Gestalt schien zu brennen oder glühen. Eine Zweite Explosion erschütterte den Berg noch mehr und die Gestalt wurde von innen heraus zerrissen.

 

„Archimond ist gefallen!“ Varok stand auf der Leiche des Grubenlords und schrie es zu allen Soldaten. „Ihr Anführer ist gefallen, der Sieg ist unser. Beseitigt den Rest dieses Dämonischen Abschaums, meine Brüder!“ Weniger denkend, als mehr befehlsausführend, hoben wir die Waffen und erlegten alles was uns in den Weg kam. Die Dämonen wurden weniger, ihr Ansturm ebbte ab. Bis es vorbei war. Dem Letzten von ihnen brach ich geräuschvoll das Genick. Wir hatten gewonnen. Das Unmögliche möglich gemacht und überlebt. Ich lies mich auf den kahlen blutdurchtränkten Boden fallen und begann herzhaft zu lachen. Gradok und Granock stimmten mit ein. Es war vorbei. Der Sieg war unser. Ich hoffte auf Frieden, dachte wir würden ihn endlich haben ein neuer Anfang ein neues Wir. Ich war jung und Naiv, so unsagbar Naiv.

 

Seite 4



To be continued...